Mittelschüler testen Handwerksberufe

Praktische Tätigkeit für viele Schüler eine willkommene Abwechslung zum Unterricht



In der vorletzten Jahrgangsstufe steht für die Schüler die Entscheidung über den richtigen Beruf an. Damit die Jungen und Mädchen diese leichter treffen können, werden Maßnahmen im Rahmen der Berufsorientierung durchgeführt. Eine Woche lang bekamen die Achtklässler der Mittelschulen Lam, Neukirchen b. Hl. Blut und Bad Kötzting Einblicke in gängige Handwerks- und Dienstleistungsberufe.

Im Landkreis läuft diese bereits im zehnten Jahr sehr erfolgreich. Initiiert und finanziert wird die praktische Woche durch die Agentur für Arbeit und das Schulamt Cham. Bei der Durchführung werden die Schulen vom Kolping-Bildungswerk und dem Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Cham unterstützt. Zusammen mit den Klassenleitern Rudi Graßl (Lam), Christian Hofmaier (Neukirchen b. Hl. Blut) sowie Stefan Gotzler, Josef Schmuderer, Barbara Stauber und Wolfgang Graßl (Bad Kötzting) fanden sich die Teilnehmer jeweils am Montag in den Ausbildungsstätten ein. Josef Ramsauer (Handwerkskammer) und Franz Speckner (Kolping-Bildungswerk) führten in die Materie ein und zeigten den Jugendlichen die Anforderungen einer Berufsausbildung auf.

Die Berufsfelder Metall, Holz und Farbe, Elektro, Kosmetik mit Körperpflege, Installationstechnik, Hotel- und Gaststättenbereich, Pflege, Büro/Lager sowie Handel wurden deshalb ausgewählt, weil es hier im Landkreis viele Ausbildungsplätze gibt. Die Jugendlichen wurden in Gruppen aufgeteilt, die jeweils einen halben bis ganzen Tag in jedem Berufsfeld verbrachten. Im Bereich Metall stellten die Jugendlichen einen Handy-Halter aus verschiedenen Materialien her. Ausbilder Stefan Altmann achtete dabei ebenso wie seine Kollegen auf eine saubere und genaue Arbeitsausführung. Einige der Werkstücke durften die Schüler mit nach Hause nehmen. Im Metallbereich lernten die Jugendlichen neben Arbeiten wie Fräsen, Feilen und Entgraten auch Tätigkeiten wie Bohren, Stanzen oder Drehen kennen und durften Arbeitsschritte mit modernen CNC-Fräs- und Drehmaschinen ausführen.

Im Bereich Holz und Farbe ging es darum, mit den Mädchen und Jungs einen Getränketräger für sechs Flaschen aus unterschiedlich geformten Holzelementen für den täglichen Hausgebrauch anzufertigen und diesen anhand verschiedener Methoden mit Farben zu gestalten. Die Ausbilder Martin Schuhmann und Josef Fischer stellten den Prototypen vor und erklärten jeden Arbeitsschritt anhand einer Skizze. Bevor gesägt, gefeilt, gebohrt und geschliffen wurde, wurde erst einmal der sichere Umgang mit den Maschinen erläutert. Der Bereich Kosmetik und Körperpflege wird in diesem Jahr neben Verkauf, Pflege, Büro/Lager und Hotel/Gaststätten beim Kolping Bildungswerk für Mädchen und Buben gleichermaßen angeboten. Unter Anleitung der Ausbilderinnen Lidwina Abele und Alexandra Garbe ging es im Bereich Körperpflege um Grundbegriffe im Friseurhandwerk. Im Bereich Gesundheit wurde der Puls gemessen und Massagegriffe geübt. Kreativität war dann wieder bei der Gestaltung von künstlichen Fingernägeln gefragt. Im Elektrobereich wurde ein elektronischer Würfel hergestellt. Insgesamt 86 Lötstellen sind erforderlich, damit dieses batteriebestückte Gerät per Knopfdruck und Zufallsgenerator eine Zahl zwischen 1 und 6 anzeigt. Ziel war es, unter Anleitung von Ausbilder Josef Seidl Grundgriffe im Elektronikbereich einzuüben.

Auf dem Sektor Heizung, Wasser und Gas wurden unter Anleitung von Ausbilder Stefan Altmann Rohrverbindungen erstellt. Dabei wurden Rohre geschnitten und gebogen, Gewinde geschnitten, mit Hanf versehen und die Leitungen am Schluss abgedrückt, um die Dichte zu prüfen. In der Altenpflege brachte Veronika Greiner den Teilnehmern Grundbegriffe wie Körperwahrnehmung, Nahrungsaufnahme, Waschen, Lagertechniken oder das Blutdruckmessen näher. Da alle Theorie natürlich Grau ist, durften die Schüler diese Tätigkeiten an Mitschülern üben. Zur Ausbildung im Handel hat das Kolping-Bildungswerk einen seiner Schulungsräume zu einem Laden, den „Kolpi-Shop“, umgebaut. Die Schüler konnten hier unter Anleitung von Tina Drexler den kompletten Ablauf eines Handelsbetriebs kennenlernen. Ware prüfen, auszeichnen und verstauen stand ebenso wie Kunden bedienen oder Kassieren auf dem Programm. In der Hotel- und Gaststättenbranche wurde unter Anleitung von Carina Brey das Eindecken von Tischen für ein Fünf-Gänge-Menü, das Falten von Servietten und das Bedienen von Gästen mit verschiedenen Serviertechniken trainiert. Im Bürobereich durften die Mädchen und Buben unter Anleitung von Inka Müller eine Fuhrparkabrechnung in Excel sowie eine Bestellung für Büromaterial vornehmen. Im Lager ging es um Warenannahme, Kommissionierung, die Eingangs- und Ausgangsverbuchung im Warenwirtschafts- und Lagersystem sowie um Tourenplanung. Jeweils einen Vormittag pro Woche war auch Jürgen Ziereis, der für die Schulen zuständige Berufsberater der Agentur für Arbeit, zu Gast. Er konnte sich ein Bild davon machen, was die Schüler in den Berufsfeldern zu leisten haben. Dabei stellte er fest, dass das praktische Anwenden von neuem Wissen den Teilnehmern riesigen Spaß bereitete. Bei dieser Gelegenheit lernen viele Lehrer ihre Schüler oft von einer ganz anderen Seite kennen und entdecken neue Stärken an ihnen.

Am Freitagmittag hatten es alle geschafft. Neben ihren Werkstücken durften sie ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme in Empfang nehmen, das sie später einmal der Bewerbung beilegen können.


 Aus der Bad Kötztinger Zeitung vom 27.01.2017

Copyright © 2017 Homepage der Mittelschule Bad Kötzting. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.
Zum Seitenanfang
JSN Boot template designed by JoomlaShine.com