Zeit für neue Her­aus­for­de­run­gen

Mit­tel­schul­rek­tor Mi­cha­el Au­mann ver­ab­schie­det sich am Frei­tag in den Ru­hes­tand


Aumann Abschied1

Der Countdown läuft: Am Freitag endet die Amtszeit von Rektor Michael Aumann, dann verabschiedet sich der Leiter der Mittelschule Bad Kötzting nach über 40 Jahren als Pädagoge in den Ruhestand. Oder wird es doch eher ein Unruhestand? Obwohl kurz vor dem endgültigen Dienstschluss allerhand zu erledigen sein dürfte, nimmt sich der 65-Jährige an diesem frostigen Februarvormittag Zeit für ein langes Gespräch – über die nie nachlassende Leidenschaft für seinen Beruf und die Pläne für die Jahre nach der Pensionierung.

Die Tür zum Zimmer des Rektors steht weit offen, von Hektik keine Spur. Michael Aumann lehnt sich gemächlich in seinem Bürostuhl zurück, Schreibtisch und überhaupt Aumanns gesamtes Reich, das im 1. Stock der Mittelschule untergebracht ist, wirken aufgeräumt, geradezu leer gefegt.Auf die augenscheinliche Ordnung angesprochen, reagiert der Pädagoge mit einem breiten Lächeln: „Die Pensionierung kommt ja nicht völlig überraschend, ich hatte lang genug Zeit, mich darauf vorzubereiten.“

Ein Leben nach dem Zehnjahresrhythmus

Und so sind Aktenschränke und Regale bereits ausgemistet, nur an den Wänden hängen noch zahlreiche knallbunte Bilder, die Schüler „ihrem“ Lehrer gemalt haben, ein Foto, das Aumann hoch zu Ross beim Pfingstritt zeigt, sowie kleine gerahmte Hundertwasserwerke, Abschiedsgeschenke seines früheren Kollegiums aus Rötz. „Lauter mir liebgewordene Erinnerungen“, sagt er, „die hänge ich erst an meinem letzten Tag hier ab und nehme sie mit nach Hause.“So strukturiert wie der Rückzug aus dem Berufsleben scheint der Waldmünchner sein gesamtes Leben zu gestalten. „Für mich gilt der Zehnjahresrhythmus“, verrät er und verdeutlicht das an einem Beispiel: Als der passionierte Theaterspieler sich bereiterklärt hat, die Titelrolle bei „Trenck, der Pandur“ zu übernehmen, betonte er gleich zu Beginn, dass er nach zehn Jahren diese Rolle auch wieder abgeben werde. „Nach dieser Zeit lässt die Energie nach, dann sollte man sich neue Herausforderungen suchen“, findet er.Und das gilt für viele Bereiche. 2008 wechselte der frühere Rötzer Konrektor als Schulleiter an die Mittelschule Bad Kötzting – exakt zehn Jahre später quittiert er nun seinen Dienst. Ohne einen einzigen Tag davon zu bereuen. „Lehrer war mein Traumberuf und er ist es bis heute geblieben“, betont er und fügt im gleichen Atemzug hinzu, „aber jetzt freue ich mich auch darauf, weniger Verpflichtungen und dafür mehr freie Zeit zu haben – für Familie, Sofa, ein Buch oder gute Musik.“ Und nicht zu vergessen: „Ein Wechsel tut immer auch der Schule gut.“Langweilig dürfte es dem glücklich verheirateten („Meine Ehe war Gott sei Dank von der Zehnjahresregel ausgenommen“) Vater von fünf erwachsenen Kindern, Opa einer eineinhalbjährigen Enkeltochter und leidenschaftlichen Tierfreund nicht werden. Fünf Pferde und andere Vierbeiner wollen versorgt sein.Weil Aumann außerdem ein gewisses handwerkliches Geschick besitzt, ist er sich jetzt schon sicher, „dass ich genug Arbeit haben werde, damit ich abends rechtschaffen müde bin“.Dass Aumann mehr als 40 Jahre lang mit Herzblut seinen Beruf ausgeübt hat, spiegelt sich nicht nur in den Erinnerungsgeschenken von ehemaligen Schülern und Kollegen wider oder in dem guten Image der Bad Kötztinger Mittelschule. Es zeigt sich auch darin, dass vier seiner Kinder ebenfalls in die beruflichen Fußstapfen des Vaters getreten sind. „Anscheinend habe ich auch zu Hause den Eindruck geweckt, dass ich gern Lehrer bin.“In vier Jahrzehnten Schuldienst hat sich naturgemäß viel verändert. Klassen mit 36 Schülern, wie Aumann sie anfangs seiner Laufbahn unterrichtete, seien mittlerweile nicht mehr praktikabel. Frontalunterricht wurde abgelöst durch differenzierten Unterricht, Gruppenarbeit und Kleinstrukturmuster, der Einsatz neuer Medien unerlässlich. „Während man früher noch lernte, wie hoch der Große Arber ist, bringt man den Schülern mittlerweile bei, wie sie selbst an dieses Wissen kommen.“ Kompetenzorientierter Lehrplan, lautet das Zauberwort.Aumann freut sich, dass die Hauptschule durch den M-Zug aufgewertet wurde. „Unseren Schülern stehen alle Türen offen“, stellt er zufrieden fest. Der Arbeitsmarkt benötigt so dringend wie nie zuvor Fachkräfte, auf der anderen Seite packen viele die Möglichkeit beim Schopfe, sich an der Fachoberschule weiterzubilden.Ganztagsschule und Jugendsozialarbeit ergänzen das Angebot, auf beides könne man nicht mehr verzichten, ist Aumann überzeugt.Auf der anderen Seite seien die Herausforderungen an die Lehrer immens gestiegen: „Es fällt weitaus mehr Vor- und Nachbereitung an, gefordert sind Flexibilität und Fingerspitzengefühl.“ Zudem muss die Integration von Schülern mit Handicaps, Migrationshintergrund oder aus zerrütteten Familien – teils in Zusammenarbeit mit den Ämtern – bewältigt werden.

Vollstes Vertrauen in die junge Generation

Trotz aller Veränderungen – in das oftmals zu hörende Wehklagen über die schwierige Jugend von heute kann Aumann auf keinen Fall einstimmen. „Meine positive Sicht auf Jugendliche hat sich all die Jahre nicht verändert: Ich habe vollstes Vertrauen in die junge Generation, die große Mehrheit sind liebenswerte und für die Gesellschaft gewinnbringende Menschen.“Entsprechend habe seine Motivation, Lehrer zu werden, darin bestanden, Heranwachsenden, die im Leben weiterkommen wollen, dabei zu helfen. „Meine größte Freude ist es, wenn ich bei der Schulabschlussfeier zufriedene, selbstbewusste junge Menschen sehe und mich dabei erinnere, wie sie, oft unsicher und ängstlich, zu uns an die Schule gekommen waren. Bei dieser positiven Entwicklung mit an einer Schraube gedreht zu haben – das gibt meinem Beruf Sinn.“InfoAktuell werden an der Mittelschule Bad Kötzting 345 Schüler in 17 Klassen unterrichtet. Bis zum Schuljahresende übernimmt Konrektor Erwin Molzan kommissarisch die Leitung, dann folgt Mario Kleinert, Konrektor aus Roding, nach.


  Aus der Bad Kötztinger Zeitung vom 22.02.2018

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